18.09.2026 | 10:09

Junge Stimmen, digitale Räume und lebendige Demokratie: Junge Menschen wollen Zukunft mitgestalten

Drittes Zukunftsgespräch der Initiative „Mein Land denkt an morgen“

Wie wollen junge Menschen in Niederösterreich künftig leben, lernen, arbeiten und mitentscheiden? Wie entstehen politische Meinungen in einer Welt von sozialen Medien, Algorithmen und künstlicher Intelligenz? Und was braucht es, damit junge Menschen Vertrauen in Demokratie haben und Verantwortung übernehmen? Diesen Fragen widmete sich das dritte Zukunftsgespräch der Initiative „Mein Land denkt an morgen“ am gestrigen Donnerstagabend in Krems. Unter dem Titel Wer wollen wir morgen sein? Junge Stimmen, digitale Räume und lebendige Demokratie“ diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Jugend, Wissenschaft und Bildung gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern über die Zukunft der jungen Generation in Niederösterreich.

Die Zukunftsgespräche sind das Herzstück der Zukunftsinitiative „Mein Land denkt an morgen“ des Landes Niederösterreich. Sie bringen wissenschaftliche Erkenntnisse, die Perspektiven der Bürgerinnen und Bürger und Erfahrungen aus der Praxis zusammen und schaffen damit eine Grundlage für die weitere Arbeit an zentralen Zukunftsfragen des Landes.

Den wissenschaftlichen Ausgangspunkt des Abends bildeten aktuelle Ergebnisse aus dem Demokratieradar und der Befragung niederösterreichischer Schülerinnen und Schüler. Politikwissenschafterin Dr. Katrin Praprotnik zeigte, wie junge Menschen ihre persönliche Zukunft, Demokratie und politische Beteiligung einschätzen.

Die Daten zeigen ein differenziertes Bild: Unter den bis 29-Jährigen stimmen 83 Prozent der Aussage sehr oder eher zu, dass Demokratie trotz ihrer Probleme besser ist als jede andere Regierungsform. 69 Prozent beurteilen ihr Funktionieren in Österreich als sehr oder eher gut. Gleichzeitig ist das Vertrauen in die Politik deutlich zurückhaltender. „Die junge Generation steht der Demokratie grundsätzlich positiv gegenüber. Zustimmung zur Demokratie bedeutet aber nicht automatisch Vertrauen in Politik oder aktive Beteiligung. Entscheidend ist deshalb, jungen Menschen nachvollziehbare Information, konkrete Möglichkeiten zur Mitgestaltung und das Gefühl zu geben, dass ihre Beteiligung tatsächlich etwas bewirken kann“, erläuterte Praprotnik.

Mit Hannah Scheidl, Bundesschulsprecherin, kam die Perspektive junger Menschen unmittelbar auf die Bühne. Im Mittelpunkt standen ihre Erwartungen an Schule, Ausbildung und Politik sowie die Frage nach echter Mitsprache: „Junge Menschen wollen nicht nur gefragt werden, wenn es ausdrücklich um Jugendthemen geht. Wir wollen bei jenen Entscheidungen mitreden, die unseren Alltag und unsere Zukunft betreffen. Entscheidend ist, dass Mitsprache ernst gemeint ist und junge Menschen merken: Meine Stimme wird gehört und kann tatsächlich etwas verändern.“ Auch die Schülerbefragung zeigt konkrete Vorstellungen von der Zukunft: 76 Prozent geben an, später auf jeden Fall oder eher heiraten zu wollen; eine klare Mehrheit kann sich auch eigene Kinder vorstellen.

Wie politische Meinungen unter den Bedingungen von Social Media und künstlicher Intelligenz entstehen, beleuchtete Julia Eisner, AI Expert & Academic Collaboration Lead bei der AI Factory Austria. Eisner arbeitet unter anderem an der Verbindung von Demokratiebildung und künstlicher Intelligenz: „Digitale Räume sind längst ein zentraler Ort, an dem sich junge Menschen informieren, austauschen und Meinungen bilden. Künstliche Intelligenz kann dabei enorme Chancen eröffnen, gleichzeitig müssen wir verstehen, wie Algorithmen Informationen auswählen und beeinflussen. Medien- und KI-Kompetenz werden deshalb zu einer demokratischen Schlüsselkompetenz: Wer Mechanismen versteht, kann Informationen besser einordnen und selbstbestimmter entscheiden.“

Michael Stadlmann, Co-Founder des Innovation Circle und ehemaliger europäischer Jugenddelegierter, brachte Erfahrungen aus Jugendbeteiligung und generationenübergreifenden Dialogformaten ein. Stadlmann setzt dabei auf ein Miteinander: „Junge Menschen engagieren sich dann, wenn Beteiligung niederschwellig ist und sie sehen, dass daraus tatsächlich etwas entsteht. Es braucht Räume, in denen junge und erfahrene Stimmen auf Augenhöhe miteinander ins Gespräch kommen. Beteiligung funktioniert nicht dadurch, dass man über junge Menschen spricht, sondern indem man ihnen Verantwortung zutraut und gemeinsam mit ihnen gestaltet.“

An diesen Punkten knüpfen auch bestehende Initiativen des Landes an: Niederösterreich hat als einziges Bundesland die Funktion von Jugendgemeinderätinnen und Jugendgemeinderäten in allen 573 Gemeinden gesetzlich verankert. Mit 285 NÖ Jugend-Partnergemeinden werden darüber hinaus konkrete Beteiligungsmöglichkeiten vor Ort gestärkt. Gleichzeitig setzt das Land mit seiner KI-Strategie und dem Schwerpunkt „digiBILDUNG“ auf die digitalen Kompetenzen junger Menschen und damit auf die Voraussetzungen für einen selbstbestimmten und verantwortungsvollen Umgang mit neuen Technologien.

Moderiert wurde der Abend von Friedrich Faulhammer, Leiter der Zukunftsinitiative „Mein Land denkt an morgen“: „Wer über die Zukunft Niederösterreichs spricht, muss vor allem jenen zuhören, die diese Zukunft am längsten erleben werden. Genau dafür schaffen die Zukunftsgespräche Raum. Wir bringen wissenschaftliche Erkenntnisse, die Erfahrungen junger Menschen und die Perspektiven aus der Praxis zusammen. Es geht nicht darum, Zukunft für junge Menschen zu entwerfen, sondern sie gemeinsam mit ihnen zu gestalten.“

Das dritte Zukunftsgespräch in Krems war Teil einer Reihe von insgesamt fünf Zukunftsgesprächen, die 2026 in den Regionen Niederösterreichs stattfinden. Die Ergebnisse aus der Diskussion, den Publikumsrückmeldungen und den wissenschaftlichen Analysen fließen in die weitere Arbeit der Initiative „Mein Land denkt an morgen“ ein. Ziel bleibt es, zentrale Zukunftsfragen gemeinsam zu diskutieren und daraus konkrete Ableitungen für Politik, Verwaltung und Gesellschaft zu entwickeln.

Weitere Informationen zur Zukunftsinitiative und zu den Ergebnissen der Zukunftsgespräche unter www.meinlanddenktanmorgen.at.

Nähere Informationen: Mag. Friedrich Faulhammer, Amt der NÖ Landesregierung Landesamtsdirektion / Zukunftsforschung, Telefon: 02742/9005-15334, E-Mail: friedrich.faulhammer@noel.gv.at.

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